Studien

Studien und Recherchen zu Technologie, Sicherheit und Gesellschaft — wissenschaftlich aufbereitet und frei zum Download als PDF und Word-Dokument.

Verteidigung & Technologie

Die autonome Kampfdrohne im Jahr 2036

Stand der Technik und zu erwartende Funktionalität autonomer Wirksysteme

23. Juni 2026 · Beat W. Meier · v1.0

Abstract

Die unbemannte Kampfdrohne hat die Schwelle vom ferngelenkten Werkzeug zur eigenständig handelnden Waffe überschritten. Diese Studie vermisst den wissenschaftlichen Stand der Technik in sieben Disziplinen — Inertialnavigation, bildgestützte Wahrnehmung, geländereferenzierte Ortung, Schwarmfunk, Phased-Array-Antennentechnik, Abwehr von Satellitenstörung und eingebettete künstliche Intelligenz — und projiziert daraus die zu erwartende Funktionalität autonomer Wirksysteme bis zum Jahr 2036.

Im Zentrum steht eine Leitthese, die der Studie ihren Namen gibt: die ausfallsichere Wirkkette. Die Kampfdrohne von 2036 erkennt ihr Ziel mit eigenen Sensoren und eigener künstlicher Intelligenz an Bord, ohne Datenlink. Sie vernetzt sich mit ihresgleichen über elektronisch geschwenkte Richtstrahlen, die abhörarm und störresistent sind. Und fällt dieses Nervensystem aus, trägt eine gestaffelte Eigennavigation die Mission allein zu Ende — vom Satellitensignal über bild- und geländegestützte Ortung bis hinunter zur reinen Trägheit, die keine äussere Quelle mehr braucht.

Die Prüfung bestätigt die These, korrigiert aber ihre naive Form. Reine Inertialnavigation driftet unaufhaltsam; die Resilienz entsteht nicht aus einem perfekten Sensor, sondern daraus, dass die Verfahren einander auffangen und die Drohne nie lange genug auf eine einzige Quelle angewiesen ist. Über die wenigen Sekunden des Endanflugs genügt selbst die reine Trägheit. Der Verlust der Schwarmkommunikation kostet die kollektive Schärfe, nicht die Handlungsfähigkeit — und genau darin liegt die militärische Brisanz wie die rechtliche Problematik.

Die Studie betrachtet auch den Gegenspieler: Gegen funkstille, autonome Schwärme bleibt elektronische Störung wirkungslos, sodass die Abwehr auf Hochleistungsmikrowellen, Hochenergielaser, kinetische Interzeptoren und programmierbare Flak ausweicht — Mittel, deren Wert sich an einer erbarmungslosen Ökonomie entscheidet. Sie schliesst mit der rechtlich-ethischen Einordnung: Die ausfallsichere Wirkkette ist gebaut; die offene Frage ist nicht mehr, ob sie funktioniert, sondern wer die Kontrolle über die Entscheidung zu Leben und Tod behält.

Verteidigung & Technologie

Drohnenabwehr 2036

Abwehrmassnahmen gegen autonome, EW-resistente Kampfdrohnenschwärme — Stand der Technik und Ausblick

23. Juni 2026 · Beat W. Meier · v1.0

Abstract

Die autonome Kampfdrohne des Jahres 2036 ist so gebaut, dass der Verlust ihrer Verbindungen sie nicht aufhält: Sie erkennt ihr Ziel an Bord, findet und zerstört es selbsttätig und navigiert funkstill — gegen elektronische Störung damit weitgehend immun. Eine vorausgegangene Studie hat diese Bedrohung vermessen; die vorliegende fragt nach der Antwort: Welche Abwehr ist 2036 möglich?

Die Kernaussage lautet: Es gibt kein Silberkugel-System. Wirksam ist allein eine gestaffelte, vernetzte Verteidigung aus vier ineinandergreifenden Funktionen — Sehen, Entscheiden, Wirken, Schützen.

  • Sehen. Weil Radar die kleinen, langsamen, funkstillen Ziele im Clutter verliert, trägt nur die Fusion vieler Sensoren (Radar, elektrooptisch/infrarot, akustisch, passive Funkdetektion, LiDAR) das Lagebild und die Frühwarnung.
  • Entscheiden. Eine KI-gestützte Planungsautomatisierung löst die Waffen-Ziel-Zuordnung bei Sättigung in Echtzeit, während der Mensch über der Schleife die Freigabe behält.
  • Wirken. Ein volles Effektor-Programm: Hochleistungsmikrowellen dünnen den Schwarm flächig aus (und wirken gerade weil sie nicht den Funk stören, sondern die Schaltkreise treffen); Hochenergielaser und programmierbare Splitterwolken fangen die Leckage einzeln auf; kinetische Interzeptoren und Netzfänger greifen selbst im totalen Funkschweigen.
  • Schützen. Eine störfeste, EW-sichere Verbundkommunikation hält das vernetzte Feuer zusammen, und ein gestaffelter Eigenschutz — Mikrowelle, Laser, Netz, Härtung — verteidigt die Kommandostrukturen, die das System führen.

Die ehrlichen Grenzen sind benannt: keine Schicht ist dicht (Restleckage ist Designparameter), sehr grosse Schwärme stossen an Magazintiefe und Energie, der Mikrowelleneinsatz im eigenen Raum bedroht die eigene Elektronik (Fratrizid), und die Ökonomie entscheidet — eine «vergoldete» Abwehr kehrt die Kostenasymmetrie wieder gegen den Verteidiger.

Das Schlusskapitel führt das System in eine Organisation über: den Aufbau eines Drohnenabwehr-Bataillons der Schweizer Armee (geführt von einem Oberstleutnant, unterstellt der BODLUV Br 33, gegliedert in Stab S1–S6 und sechs Batterien von der Sensor-/Frühwarn- über die Effektorbatterien für gerichtete Energie und Abwehrdrohnen bis zur Logistik). Die amtlichen Bausteine — Air2030 mit Patriot und IRIS-T SLM, die Securiton-Sofortbeschaffung gegen Mini-Drohnen, die Taskforce Drohnen — sind real und werden klar von der Projektion auf 2036 getrennt.

Die Quintessenz beider Studien: Der Weg von der Bedrohung zur Abwehr ist technisch gangbar, aber er verlangt Architektur statt Wunderwaffe, Disziplin statt Eskalation — und die Entscheidung über Leben und Tod muss beim Menschen bleiben. Die Technik wartet nicht.

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