Der «Festpreis» für 36 F-35A-Kampfjets war ein Missverständnis. Die mögliche Nachforderung: bis zu 1,3 Milliarden. Ein Einzelfall? Die Akten aus sechs Jahrzehnten zeigen das Gegenteil.
Von der Mirage-Affäre 1964 über den Pannenpanzer 68, die Drohnen-Odyssee und den gescheiterten Gripen bis zur Beschaffungskrise von 2024 bis 2026 wiederholen sich dieselben Merkmale: Kredite halten nicht, entscheidende Informationen erreichen das Parlament zu spät, auf Rücktritte folgen neue Organigramme statt struktureller Reformen — und Verträge verlagern das Risiko auf die Schweiz.
Milliarden im Nebel rekonstruiert diese Fälle aus PUK-, EFK-, GPK- und PVK-Berichten, aus Bundesblatt, Ratsprotokollen und amtlichen Mitteilungen. Die konservative Verlustbilanz beträgt 3,6 Milliarden Franken in Preisen von 2025; die erweiterte Rechnung kommt auf 7,9 Milliarden. Fähigkeitslücken wie vierzig Jahre ohne einsatzfähige Aufklärungsdrohne sind darin noch nicht eingerechnet.
Nicht die Menschen — die Struktur
Das Buch sucht keinen Sündenbock. Sein Befund ist unbequemer: Die handelnden Personen wechselten, die Signatur blieb. Besteller, Beschaffer und Aufsicht arbeiten bis heute im selben Departement, in derselben Hierarchie und als dieselbe juristische Person. In dieser Ordnung gibt es keine unabhängige Instanz, deren Auftrag es ist, die kritische Vertragsklausel, die unbequeme Kostenrechnung oder das negative Fachurteil gegen den politischen Projektwillen durchzusetzen.
Sechs klar definierte Merkmale machen das Muster überprüfbar: Kostenunterschätzung, Informationskontrolle, personelle statt strukturelle Konsequenz, Reform innerhalb des bestehenden Rahmens, industriepolitische Verflechtung und vertragliche Unterlegenheit. Jedes Fallkapitel endet mit einem Signatur-Abgleich. Wo ein Merkmal nicht belegt ist, bleibt das Feld leer. Nichts wird passend gemacht.
Ein Ausweg, den die Schweiz längst kennt
Die Analyse bleibt nicht beim Befund stehen. Sie zeigt einen institutionellen Weg, den die Schweiz bei ENSI, FINMA und Swissmedic bereits gegangen ist: eine fachlich unabhängige öffentlich-rechtliche Anstalt im dritten Kreis der Bundesverwaltung, mit eigener Rechtspersönlichkeit, eigenem Personalrecht, einem unabhängigen Behördenrat und direkter Rechenschaft gegenüber dem Parlament.
Das Buch richtet sich an Bürgerinnen und Bürger, die wissen wollen, was mit bewilligten Milliarden geschieht; an Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die kommende Vorlagen vor der Abstimmung prüfen müssen; und an alle, die sich für wirksame staatliche Kontrolle interessieren. Anhang C liefert dafür ein konkretes Prüfraster — damit die entscheidenden Fragen gestellt werden, bevor der nächste Kredit bewilligt ist.