Künstliche Intelligenz ist nicht plötzlich vom Himmel gefallen. Hinter ChatGPT, autonomen Agenten und lernenden Robotern liegt eine mehr als siebzigjährige Geschichte aus grossen Visionen, spektakulären Durchbrüchen, überzogenen Versprechen und langen Phasen der Ernüchterung. Dieses Buch erzählt diese Geschichte aus der Perspektive eines Informatikers und Unternehmers, der die Entwicklung seit den frühen achtziger Jahren aus nächster Nähe verfolgt hat.
Der Weg beginnt 1956 in Dartmouth, führt über Lisp, Expertensysteme und das japanische Fünfte-Generations-Projekt durch zwei KI-Winter bis zum entscheidenden Durchbruch des Deep Learning. Er zeigt, weshalb Deep Blue den Schachweltmeister Garri Kasparow bezwingen konnte, warum Daten und Rechenleistung schliesslich wichtiger wurden als von Hand formulierte Regeln und wie ChatGPT künstliche Intelligenz aus den Forschungslaboren in den Alltag von Millionen Menschen brachte.
Doch die historische Rückschau ist nur der Ausgangspunkt. Im Zentrum steht die Frage, wo wir heute stehen. Systeme können nicht mehr nur Texte und Bilder erzeugen. Sie planen, benutzen Werkzeuge, schreiben Programme und erledigen als Agenten mehrstufige Aufgaben. Forschungslabore investieren Milliarden in Modelle, die schwierige Probleme zunehmend selbstständig lösen. Damit wird die Maschine vom passiven Werkzeug zum handelnden Akteur - und die Frage nach ihrer Kontrolle dringlicher als je zuvor.
Das Buch erklärt verständlich, weshalb höhere Intelligenz nicht automatisch gute Absichten hervorbringt. Es untersucht das Alignment-Problem, dokumentierte Täuschungs- und Selbsterhaltungsstrategien moderner Modelle sowie die Gefahr, dass technische Fähigkeiten schneller wachsen als unsere Möglichkeiten, sie zu prüfen und zu begrenzen. Dabei geht es weder um Science-Fiction noch um Panik. Risiken, Behauptungen und Szenarien werden anhand konkreter Entwicklungen und wissenschaftlicher Befunde eingeordnet.
Gleichzeitig eröffnet künstliche Intelligenz Chancen von historischer Grössenordnung. Sie kann medizinische Forschung beschleunigen, Bildung individualisieren, Ressourcen effizienter einsetzen und Menschen von gefährlicher oder monotoner Arbeit entlasten. In Verbindung mit Robotik könnte sie eine Produktivität schaffen, die materiellen Wohlstand für alle ermöglicht. Doch dieselbe Technologie kann Macht konzentrieren, Überwachung perfektionieren und Menschen Schritt für Schritt die Fähigkeit nehmen, selbst zu entscheiden.
Daraus entstehen zwei mögliche Zukünfte: ein Schlaraffenland, in dem die Produktivität der Maschinen allen zugutekommt, oder ein goldener Käfig, der komfortabel, sicher und effizient ist, aber immer weniger Freiheit lässt. Das Buch fragt deshalb auch, was mit Arbeit, Einkommen, Sozialstaat und persönlichem Sinn geschieht, wenn Maschinen einen wachsenden Teil der wirtschaftlichen Leistung übernehmen.
Der abschliessende Teil richtet den Blick auf die Schweiz und Europa. Er analysiert politische Versäumnisse, regulatorische Zielkonflikte und den internationalen Wettlauf zwischen den USA, China und Europa. Zehn konkrete Aufträge an die Politik zeigen, wie Innovation, Sicherheit, demokratische Kontrolle und eine faire Verteilung der neuen Produktivität miteinander verbunden werden können.
Dieses Buch richtet sich an alle, die verstehen wollen, wie wir an diesen Wendepunkt gelangt sind, welche Entscheidungen jetzt anstehen und weshalb die Zukunft nicht von der Technologie allein bestimmt wird. Die Tür des goldenen Käfigs steht noch offen. Die entscheidende Frage ist, wie lange noch.
Themen
- Die Verheissung und der lange KI-Winter von 1956 bis 2012
- Der Durchbruch von Deep Learning und die Explosion von 2012 bis 2026
- Reasoning, autonome Agenten und selbstverbessernde Systeme
- Das Alignment-Problem und die Gefahr des Kontrollverlusts
- Die Folgen für Arbeit, Wirtschaft, Bildung, Demokratie und Sozialstaat
- Schlaraffenland oder goldener Käfig: acht Szenarien für das Jahr 2050
- Der Weg der Schweiz und Europas im globalen KI-Wettlauf
- Zehn konkrete Aufträge an die Politik